Diese eine Geste kostet dich die Beförderung – und du machst sie wahrscheinlich gerade jetzt
Okay, mal ehrlich: Wann hast du das letzte Mal darüber nachgedacht, wie du durchs Büro läufst? Vermutlich nie. Du konzentrierst dich auf deine E-Mails, deine Präsentationen, vielleicht darauf, beim Mittagessen nicht Kaffee auf dein weißes Hemd zu kleckern. Aber hier kommt der Plot Twist, den niemand auf dem Schirm hat: Die Art, wie sich dein Körper bewegt, während dein Gehirn mit wichtigeren Dingen beschäftigt ist, könnte der Grund sein, warum du seit drei Jahren auf derselben Position festhängst.
Und das Verrückte daran? Es ist nicht mal etwas Dramatisches wie ein peinlicher Ausrutscher bei der Firmenfeier oder eine katastrophale Präsentation. Nein, es ist eine winzige, völlig harmlos wirkende Angewohnheit, die du wahrscheinlich in diesem Moment machst, ohne es zu merken. Haltungsexpertin Andrea Latritsch-Karlbauer und Business-Trainerin Sabine Mühlisch haben genau diese Karrierefalle identifiziert – und sie ist so alltäglich, dass sie fast schon langweilig klingt. Aber halt dich fest: Es geht um deinen Gang.
Der schleppende Gang – oder wie man sich selbst ins Aus katapultiert
Wir reden hier nicht von humpeln oder stolpern. Wir reden von dem schleppenden Gang mit eingefallenen Schultern. Du kennst das: Schultern nach vorne gebeugt, Kopf leicht gesenkt, Schritte schwer, als würdest du buchstäblich die Last der Welt auf deinem Rücken tragen. Vielleicht hattest du eine miese Nacht. Vielleicht ist dein Rücken vom vielen Sitzen im Bürostuhl verspannt. Vielleicht bist du einfach nur müde.
Aber hier ist das Problem: Dein Chef sieht nicht „müde“. Dein Chef sieht „unsicher, überfordert, nicht führungsfähig“. Diese Haltung schreit – ohne dass du ein Wort sagst – dass du gerade so über die Runden kommst. Und wenn die nächste Beförderung ansteht, wird sich dein Vorgesetzter unbewusst an genau dieses Bild erinnern: Du, wie du mit hängenden Schultern und schwerem Schritt ins Meeting schlurfst. Nicht gerade das Image einer dynamischen Führungskraft, oder?
Latritsch-Karlbauer erklärt, dass dieser Gang ein Signal für Niedergeschlagenheit und mangelndes Selbstvertrauen aussendet. Es ist wie eine wandelnde Werbetafel mit der Aufschrift „Bitte nicht befördern“. Und das Tückische: Du merkst es nicht mal. Während du über deine To-Do-Liste nachdenkst oder mental deine nächste Präsentation durchgehst, erzählt dein Körper eine völlig andere Geschichte.
Warum dein Gehirn dir dabei in den Rücken fällt
Jetzt fragst du dich vielleicht: Warum zur Hölle achtet überhaupt jemand darauf, wie ich gehe? Die Antwort liegt tief in unserer evolutionären Verkabelung. Der Psychologe Albert Mehrabian hat schon 1967 herausgefunden, dass in emotionalen Gesprächssituationen nur sieben Prozent unserer Botschaft durch Worte vermittelt werden. Satte 55 Prozent kommen durch Körpersprache rüber, 38 Prozent durch den Tonfall. Das bedeutet: Dein Körper redet die ganze Zeit – und er ist oft verdammt viel ehrlicher als dein Mund.
Dein Gehirn ist ein hocheffizientes Bewertungstool, das in Sekundenschnelle nonverbale Signale scannt und interpretiert. Das war überlebenswichtig, als unsere Vorfahren in der Savanne rumliefen und blitzschnell entscheiden mussten: Freund oder Feind? Anführer oder Mitläufer? Diese uralten Programme laufen immer noch – nur dass sie jetzt im Konferenzraum statt in der Wildnis zum Einsatz kommen.
Wenn dein Vorgesetzter dich mit schleppenden Schritten sieht, scannt sein Gehirn automatisch: niedriger Status, wenig Energie, unsicher. Das passiert nicht bewusst. Er denkt nicht explizit „Oh, diese Person sieht unmotiviert aus“. Er hat einfach ein diffuses Gefühl, dass du „noch nicht so weit bist“ für die nächste Stufe. Und genau da wird es gefährlich.
Der Halo-Effekt schlägt zu – und zwar brutal
Hier kommt ein psychologisches Phänomen ins Spiel, das deine Karriere massiv beeinflussen kann: der Halo-Effekt. Eine einzige negative Beobachtung färbt die gesamte Wahrnehmung einer Person. Wenn dein Chef dich einmal – nur einmal! – mit eingefallenen Schultern und schwerem Gang sieht, kann das seine Meinung über deine gesamte Kompetenz beeinflussen.
Das ist unfair? Absolut. Aber es ist menschlich. Forscher haben herausgefunden, dass wir uns innerhalb von Sekundenbruchteilen eine Meinung über andere bilden – basierend auf Körpersprache, Haltung, Mimik. Bevor du überhaupt „Guten Morgen“ gesagt hast, hat dein Gegenüber bereits entschieden, ob du kompetent, vertrauenswürdig und führungsfähig bist. Deine tatsächlichen Fähigkeiten? Die kommen erst später ins Spiel, wenn das erste Urteil schon gefallen ist.
Dr. Abbie Maroño, eine Verhaltenswissenschaftlerin, die sich auf Einstellungsprozesse spezialisiert hat, fand heraus, dass nonverbale Signale wie fehlender Augenkontakt oder mangelndes Kopfnicken die wahrgenommene Kompetenz drastisch reduzieren. Der Clou: Diese Bewertungen passieren auf einer unbewussten Ebene. Niemand entscheidet bewusst „Diese Person mit den hängenden Schultern bekommt die Beförderung nicht“. Es fühlt sich einfach nicht richtig an. Und das ist vielleicht das Frustrierendste daran.
Die Gegenseite: So sieht Erfolg aus, wenn er läuft
Okay, genug Horrorszenarien. Lass uns über die Lösung reden. Der Gegenentwurf zum karrieretötenden Schleppgang ist der aufrechte, federnde Gang. Latritsch-Karlbauer beschreibt ihn so: Schultern zurück, Brust raus, Kopf gerade, Schritte mit einer gewissen Leichtigkeit und Energie. Nicht wie ein Militär-Kadett auf Parade, sondern einfach mit einer natürlichen Aufrichtung und einem federnden Schwung in der Bewegung.
Diese Gangart signalisiert automatisch: Selbstbewusstsein, Entschlossenheit, Kompetenz. Alles Eigenschaften, die man mit erfolgreichen Führungskräften verbindet. Und hier kommt der absolute Mind-Blow: Du musst nicht mal tatsächlich selbstbewusst sein, um diese Effekte zu nutzen. Eine Studie von Carney, Cuddy und Yap aus dem Jahr 2010 zeigte, dass sogenannte Power Poses Hormonspiegel verändern – expansive Körperhaltungen wie breite Schultern und aufrechter Stand beeinflussen innerhalb von zwei Minuten deine biochemische Balance. Testosteron steigt um 20 Prozent, Cortisol sinkt um 25 Prozent. Das Ergebnis? Du fühlst dich selbstsicherer und weniger gestresst.
Mit anderen Worten: Deine Körperhaltung formt deine Psyche, und deine Psyche formt deine Haltung. Es ist ein Kreislauf, den du aktiv nutzen kannst. Geh aufrecht durchs Büro, und dein Gehirn denkt automatisch „Hey, ich bin kompetent und selbstbewusst“. Dein Chef denkt das Gleiche. Alle gewinnen.
Andere Gesten, die deine Karriere killen
Der schleppende Gang ist nicht der einzige Saboteur in deinem Bewegungsrepertoire. Es gibt eine ganze Reihe von Körpersignalen, die genauso tödlich sein können.
- Verschränkte Arme: Die Klassiker unter den negativen Gesten. Wenn du in Meetings mit verschränkten Armen dasitzt, sendest du ein Signal von Verschlossenheit und Ablehnung. Selbst wenn du innerlich total offen für neue Ideen bist – dein Körper schreit „Nein, danke“. Besonders katastrophal in Führungspositionen, wo Zugänglichkeit alles ist.
- Gesenkter Blick: Ständig auf den Boden oder aufs Handy starren? Das vermittelt Desinteresse oder Unsicherheit. In westlichen Kulturen wird direkter Augenkontakt als Zeichen von Vertrauenswürdigkeit und Stärke interpretiert. Wer den Blick senkt, wirkt unehrlich oder ängstlich.
- Geduckte Haltung am Schreibtisch: Wenn du über deinem Laptop hockst wie Gollum über dem Ring, signalisierst du Überlastung und Unterwürfigkeit. Diese Haltung schreit „Ich komme gerade so klar“ statt „Gebt mir mehr Verantwortung“.
Die Attributionstheorie – oder warum dein Chef falsch über dich denkt
Hier wird es psychologisch richtig interessant. Es gibt ein Konzept namens Attributionstheorie, das erklärt, warum diese kleinen Gesten so verdammt mächtig sind. Menschen haben eine natürliche Tendenz, das Verhalten anderer auf deren Persönlichkeit zurückzuführen, statt auf situative Faktoren. Wenn dein Chef sieht, wie du mit hängenden Schultern ins Büro kommst, denkt er nicht „Oh, sie hatte wahrscheinlich einen stressigen Morgen“. Er denkt „Diese Person ist grundsätzlich energielos und unmotiviert“.
Das ist kognitiv unfair, aber tief in unserer Psyche verwurzelt. Wir alle machen diese Fehlannahmen täglich. Und genau deshalb ist es so wichtig, sich dieser Mechanismen bewusst zu sein. Deine Karriere wird nicht nur von deiner tatsächlichen Leistung bestimmt, sondern auch davon, wie diese Leistung wahrgenommen wird. Und Körpersprache ist der Filter, durch den diese Wahrnehmung läuft.
Dein Vorgesetzter bewertet dich nicht nur nach deinen Projektergebnissen. Er bewertet dich nach dem Gesamtbild, das du abgibst – und ein großer Teil davon ist nonverbal. Wenn du mit schleppenden Schritten durchs Büro gehst, baut sich über Wochen und Monate ein Narrativ auf: „Diese Person ist nicht belastbar, nicht motiviert, nicht führungsfähig“. Und wenn die nächste Beförderung ansteht, kommt genau dieses Narrativ zum Tragen.
So durchbrichst du den Kreislauf – praktische Tipps ohne Bullshit
Die gute Nachricht: Körpersprache ist nicht in Stein gemeißelt. Du kannst sie ändern, und die Veränderung wird echte Auswirkungen haben. Aber es braucht bewusstes Training.
Der Morgen-Check: Nimm dir eine Woche lang vor, jeden Morgen bewusst auf deinen Gang zu achten. Schultern zurück, Brust raus, Kopf gerade. Die ersten Tage fühlt sich das total künstlich an – das ist völlig normal. Dein Gehirn muss neue Bewegungsmuster lernen.
Die Spiegel-Technik: Beobachte dich in Schaufenstern oder Spiegeln, wenn du gehst. Wie wirkst du? Würdest du dir selbst eine Führungsposition anvertrauen, basierend auf deiner Ausstrahlung? Sei brutal ehrlich zu dir selbst.
Die Power-Pose vor dem Meeting: Bevor du in ein wichtiges Meeting gehst, nimm dir zwei Minuten in einem leeren Raum. Stell dich breitbeinig hin, Arme in die Hüften gestemmt oder über dem Kopf. Die Studien haben gezeigt, dass diese Pose deine Hormonlevel positiv beeinflusst und dein Selbstvertrauen stärkt. Klingt albern? Vielleicht. Funktioniert trotzdem.
Die Video-Analyse: Lass dich bei einer Präsentation filmen – natürlich mit Erlaubnis aller Beteiligten. Schau dir die Aufnahme ohne Ton an. Was kommuniziert dein Körper? Diese objektive Perspektive kann unglaublich aufschlussreich sein und Dinge zeigen, die dir selbst nie aufgefallen wären.
Aber bitte bleib authentisch – niemand mag Faker
Eine wichtige Warnung: Es geht nicht darum, eine Rolle zu spielen. Wenn du versuchst, dauerhaft eine Körpersprache zu zeigen, die nicht zu dir passt, wirst du entweder ausbrennen oder unecht wirken. Menschen haben ein verdammt gutes Gespür für Unauthentizität.
Das Ziel ist nicht, dich komplett zu verändern. Es geht darum, hinderliche Gewohnheiten abzulegen, die nicht widerspiegeln, wer du wirklich bist. Wenn du kompetent, motiviert und selbstbewusst bist, aber deine Körpersprache das Gegenteil signalisiert, dann arbeitest du gegen dich selbst. Die Herausforderung besteht darin, deine äußere Darstellung mit deinem inneren Selbst in Einklang zu bringen.
Das große Bild – wie kleine Gesten dein ganzes Leben formen
Lass uns mal einen Schritt zurücktreten. Eine einzelne Geste in einem einzelnen Meeting wird wahrscheinlich nicht deine gesamte Karriere zerstören. Aber diese kleinen Signale summieren sich über Monate und Jahre. Jedes Meeting mit verschränkten Armen. Jeder Gang mit eingefallenen Schultern. Jede Präsentation mit gesenktem Blick.
Diese winzigen Momente bilden ein Muster – ein Narrativ über dich als Person. Und dieses Narrativ beeinflusst massiv, wer für wichtige Projekte ausgewählt wird, wer als Führungskraft in Betracht gezogen wird, wer als High Potential gilt. Die traurige Wahrheit: Zwei Menschen mit identischen Fähigkeiten können völlig unterschiedliche Karrierewege haben, einfach basierend darauf, wie sie wahrgenommen werden.
Und hier ist der wirklich verstörende Teil: Die Art, wie andere dich wahrnehmen, beeinflusst, wie sie mit dir interagieren, was wiederum beeinflusst, wie du dich selbst siehst. Wenn dein Chef dich aufgrund deiner Körpersprache als weniger kompetent wahrnimmt, gibt er dir weniger anspruchsvolle Aufgaben. Du hast weniger Gelegenheiten, deine Fähigkeiten zu zeigen. Das bestätigt die ursprüngliche falsche Einschätzung. Es ist ein selbstverstärkender Kreislauf, der dich nach unten zieht.
Umgekehrt gilt das Gleiche: Selbstbewusste Körpersprache führt zu mehr Verantwortung, mehr Sichtbarkeit, mehr Wachstum. Du wächst in die Rolle hinein, die dir zugetraut wird. Deine Körpersprache wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung.
Zeit, eine neue Geschichte zu schreiben
Am Ende läuft alles auf eine simple Erkenntnis hinaus: Du hast mehr Kontrolle über deine Karriere, als du denkst. Nicht nur durch harte Arbeit und fachliche Kompetenz, sondern auch durch die Art, wie du dich bewegst, stehst und gehst. Deine Körpersprache ist ein mächtiges Werkzeug, das entweder für oder gegen dich arbeitet.
Die schlechte Nachricht: Viele von uns sabotieren sich unbewusst durch Gesten, die wir uns über Jahre angewöhnt haben. Die gute Nachricht: Mit Bewusstsein und Übung können diese Muster durchbrochen werden. Du musst nicht perfekt sein, aber du kannst bewusster werden.
Der schleppende Gang, die eingefallenen Schultern, die verschränkten Arme – sie alle erzählen eine Geschichte über dich. Die Frage ist: Ist es die Geschichte, die du erzählen willst? Und wenn nicht, was hindert dich daran, eine neue zu schreiben? Dein Körper ist nicht nur ein Transportmittel für deinen Kopf – er ist ein Kommunikationsinstrument, ein Statement, ein ständiger Kommentar dazu, wer du bist und wer du sein willst. Also nutze ihn bewusst. Deine nächste Beförderung könnte davon abhängen.
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